Volker Döhne. Sucher und Finder

Fotografische Analyse des öffentlichen Raums

Volker Döhne. Aus der Reihe: Ohne Titel (Bunt), 1979, Color print, 30 x 24 cm © Volker Döhne, Courtesy der Künstler

Mit der ersten großen Retrospektive Sucher und Finder bietet das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld noch bis zum 5. Mai 2019 Gelegenheit, das bislang wenig bekannte Lebenswerk des Fotografen und Gestalters Volker Döhne neu zu entdecken.

Volker Döhne gehörte zu den ersten Studenten von Bernd Becher. Er untersucht mit der Kamera seit 1976 vor allem seine nordrhein-westfälische Heimat. Seine fotografischen Werkreihen gleichen in ihrer klaren Bildsprache und präzisen Thematik soziologischen Studien.

Die Fotografien schärfen die Wahrnehmung des Alltäglichen ebenso wie sie ein historisches Bewusstsein fordern. Mit der Fotoausstellung in Krefeld wird das Werk von Volker Döhne endgültig in das Gesamtbild der Düsseldorfer Fotoschule eingeschrieben.

Volker Döhne. Aus der Reihe: Coventry, 1993, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 24 x 30 cm © Volker Döhne, Courtesy der Künstler

Der sachliche, konzeptuelle Ansatz der Düsseldorfer Fotoschule, wie er von Bernd und Hilla Becher von 1976 bis 1997 an der Kunstakademie Düsseldorf geprägt wurde, wird mittlerweile bereits von einer vierten Fotografengeneration weiter interpretiert. Umso faszinierender ist es, wenn nun mit Volker Döhne ein Becher-Schüler der ersten Stunde und ein Gesamtwerk von den Anfängen in den 1970er Jahren bis heute neu entdeckt werden können.

Dem objektiven, dokumentarischen Stil gibt Döhne bereits frühzeitig eine geschichtliche Zeitdimension und immer wieder auch humorvolle Wendungen. „Durch das Spielerische und Augenzwinkern sprechen die Fotografien von Volker Döhne den Betrachter unmittelbar an – die Bechersche Strenge wird aufgebrochen und gibt dem Werk eine ganz eigene Ausrichtung“, so die Kuratorin Sylvia Martin von den Kunstmuseen Krefeld.

Volker Döhne. Aus der Reihe: Stille Orte, 1976, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 18 x 24 cm © Volker Döhne, Courtesy der Künstler

Er denkt in großen geschichtlichen Zusammenhängen, wenn er den Spuren der Industrialisierung anhand von Werkstätten nachgeht oder mit Toilettenhäuschen eine im Verschwinden begriffene, dabei abseitige architektonische Besonderheit zum Thema seiner Fotografien macht.

Die farbigen Aufnahmen von bunten Automobilen im Stadtraum wirken heute wie Inszenierungen. Sie geben jedoch ein präzises Gesellschaftsbild der 1970er Jahre, als das Auto den öffentlichen Stadtraum zunehmend bestimmte und seine Signalfarben der Sicherheit dienten.

Mit einem ausbalancierten Bildaufbau und einer Tiefenschärfe, die auch dem Nebensächlichen Aufmerksamkeit schenkt, analysiert Döhne bis heute den öffentlichen (Stadt-)Raum von Oberhausen über Bonn bis Kleve.

Er betreibt eigentlich soziologische Studien, fragt nach historischen Zusammenhängen und schärft die Wahrnehmung gegenüber dem alltäglichen Lebensraum.

Die Ausstellung stellt zwölf Werkreihen mit rund 150 Fotografien vor. Sie gibt damit einen Überblick über das Gesamtwerk des Künstlers von 1976 bis 2018. Ein besonderes Kapitel mit rund 30 Aufnahmen zeigt die Beschäftigung Döhnes mit der Architektur der Moderne der 1920er Jahre anhand von Ludwig Mies van der Rohe und den Häusern Lange und Esters auf. Darüber hinaus wird erstmalig auch der Graphiker Volker Döhne mit handgefertigten Künstlerbüchern aus den frühen 1980er Jahren und zahlreichen Katalogen, Plakaten und Einladungskarten vorgestellt.

„Der interdisziplinäre Dialog“, so die Direktorin der Kunstmuseen Krefeld Katia Baudin, „den wir als Bürgermuseum heute wieder führen wollen, prägt auch das Werk von Volker Döhne, wo Typografie und Fotografie im Einklang stehen.“

Volker Döhne. Aus der Reihe: Pfade, 2016, Inkjet print, 25 x 37 cm © Volker Döhne, Courtesy der Künstler

Die Kunstmuseen Krefeld führen mit der ersten musealen Retrospektive zum Werk von Volker Döhne die Befragung und Präsentation der Düsseldorfer Fotoschule fort, wie sie mit ersten Ausstellungen zu Thomas Ruff, Andreas Gursky und Thomas Struth Ende der 1980er Jahre begonnen hat.

Publikation

Die Ausstellung begleitet ein Textheft, gestaltet vom Künstler, mit Texten von Volker Döhne sowie Katia Baudin, Martin Hentschel, Julian Heynen, Magdalena Holzhey, Thomas Janzen, Sylvia Martin, Eva Meyer-Hermann, Sabine Röder und Constanze Zawadzky.

Es erscheint eine limitierte Edition von drei fotografischen Motiven aus der Reihe Ohne Titel (Bunt) von 1979.

Über Volker Döhne

Volker Döhne (*1953 Remscheid) lebt und arbeitet in Krefeld. Von 1975 bis 1980 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher Fotografie (1976 – 1980) und bei Tünn Konerding Gestaltung (1978 – 1980). Anschließend war er bis 2018 für die Kunstmuseen Krefeld als Fotograf und Grafiker tätig. Döhne nahm u.a. 2017 an der Ausstellung Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse im Städel Museum teil.

Besucherinformationen

Kunstmuseen Krefeld
Kaiser Wilhelm Museum
Joseph-Beuys-Platz 1, D-47798 Krefeld

Ausstellungsdauer: bis 5. Mai 2019
Öffnungszeiten: Di bis So 11-17 Uhr
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3 Euro, bis 7 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Kunstmuseen Krefeld.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Limes: Grenzgänge eines Fotografen von Bonn bis Xanten (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen