TV-Tipp: Das Jahrhundert des Claude Lévi-Strauss

09.01.2019 / 23:10 / 55 min / ARTE
Das Jahrhundert des Claude Lévi-Strauss
Dokumentation, Frankreich, 2015, ARTE F       
Regie: Pierre Assouline

Über den Mitbegründer des Strukturalismus

Claude Levi-Strauss, Anthropologe und Mitglied der Académie Française, in seinem Büro am Collège de France. © Institut National de l’Audiovisuel/Raymond Mahut. Foto: ARTE France

Claude Lévi-Strauss, Mitbegründer des Strukturalismus, war einer der bedeutendsten französischen Philosophen. Als Anthropologe und Ethnologe analysierte er in seinem Hauptwerk „Traurige Tropen“ die Mythen der Urvölker. „Primitive“ Völker, wie sie bisher von der modernen Wissenschaft verstanden wurden, gab es für ihn nicht. Auf der Grundlage seiner Forschungen an verschiedenen ethnischen Gruppen in Brasilien prägte er den Begriff des „wilden Denkens“. ARTE gibt Claude Lévi-Strauss das Wort und erkundet das 20. Jahrhundert aus seiner Perspektive. Besonders eindrucksvoll sind die ethnographischen Aufnahmen aus den 30er Jahren, die er teils selbst gefilmt hat.

Wen halten Sie für den größten französischen Intellektuellen? Bei einer Meinungsumfrage lag ein Name ganz vorn: Claude Lévi-Strauss, geboren 1908 in Brüssel und verstorben 2009 in Paris. Als Anthropologe und Ethnologe revolutionierte er mit seinem berühmten Reisebericht „Traurige Tropen“ die humanwissenschaftlichen Forschungen des 20. Jahrhunderts. Er lehrte Soziologie an der Universität von São Paulo und an der New School for Social Research in New York, er erhielt an der Ecole Pratique des Hautes Etudes einen Lehrstuhl für Vergleichende Religionswissenschaften und am Collège de France den Lehrstuhl für Anthropologie.

Das Porträt führt von seinen ersten Feldforschungen bei den Indianern Brasiliens in den 30er Jahren bis zur Eröffnung des Pariser Völkerkundemuseum Musée du Quai Branly, dessen Galionsfigur er war.

Claude Lévi-Strauss, Mitbegründer des Strukturalismus, war einer der bedeutendsten französischen Philosophen. © Institut National de l’Audiovisuel/Jean-Baptiste Servant. Foto: ARTE France

Dass sein Denken immer noch aktuell ist, zeigt das letzte Fernsehinterview, das Claude Lévi-Strauss einige Monate vor seinem Tod gab. Darin äußerte sich der Hundertjährige zum ökologischen Kollaps unserer Erde: „Ich beobachte derzeit die Verwüstung unseres Planeten und ein Artensterben in erschreckendem Ausmaß, von dem Flora und Fauna gleichermaßen betroffen sind. Die Menschheit scheint unter einer Art inneren Vergiftung zu leiden. Wenn ich an die Gegenwart und an die Welt denke, in der ich mein Leben bald beenden werde, kann ich nur sagen: Das ist nicht die Welt, die ich liebe.“

Viele lobten, dass es Claude Lévi-Strauss‘ Verdienst gewesen sei, als einer der Ersten angesichts all der ökologischen Bedrohungen Alarm geschlagen zu haben. Die Dokumentation ergründet das 20. Jahrhundert aus der Perspektive des großen Ethnologen: Anhand einer eindrucksvollen Sammlung an eigenen ethnographischen Filmaufnahmen, Fotos und Interviews zeichnet das Porträt Lévis-Strauss‘ Leben und seine Forschungen nach. Der Kommentar der Sendung ist eine Montage aus gesprochenen Äußerungen von Claude Lévi-Strauss.

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von ARTE.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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