Der Meeresfotograf Franz Graf von Larisch-Moennich

Stürmische See und Brandung

Das Deutsche Technikmuseum in Berlin zeigt noch bis zum 31. März 2019 7. April 2019 (verlängert!)  erstmals eine Auswahl beeindruckender Meeresfotografien von Franz Graf von Larisch-Moennich aus dem Bestand seines Historischen Archivs. Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten diese Aufnahmen die Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung von Meereswellen.

Auf der Jagd nach der gewaltigsten Welle ging Graf Larisch hohe Risiken ein: Er durchkreuzte die Ozeane auf den größten Segelschiffen seiner Zeit, den berühmten Flying P-Linern der Reederei Laeisz. Dabei richtete er seine Kamera auf das bewegte Wasser, das Gerät war für diesen Zweck extra mit einer wasserdichten Ummantelung versehen worden. Die Fotografien, die Graf Larisch von seinen Reisen mitbrachte, begeisterten damals sowohl die Fachwelt als auch die Liebhaber der Kunstfotografie.

Faszination Meer und Wellen

Die Fotoausstellung präsentiert 19 Originalaufnahmen, die von Graf Larisch zum größten Teil selbst auf der Rückseite mit Anmerkungen zu Ort, Windstärke und Wellenhöhe versehen wurden. Sie entstanden zwischen 1909 und 1914 auf seinen Reisen über den atlantischen, pazifischen und indischen Ozean. Viele der Fotografien wurden 1925 in seiner Publikation Sturmsee und Brandung veröffentlicht, ein bis heute für die Wissenschaft grundlegendes Werk zur Erforschung der Wellenentstehung und -bewegung. Neben dieser Publikation zeigt die Ausstellung auch Graf Larischs Das Weltmeer. Ein Atlas mit 26 Tafeln, von dem weltweit nur noch zwei Exemplare bekannt sind.

In der Ausstellung ergänzen bewegte Bilder die Fotografien. Aus umfangreichem Filmmaterial, das Graf Larisch zwischen 1927 und 1930 auf seinen Reisen um das Kap Hoorn aufnahm, entstand bei der Ufa der Kurz-Dokumentarfilm Eine Sturmfahrt ums Kap Hoorn. Zuletzt im Jahr 1930 im Vorprogramm deutscher Kinos zu sehen, wird der Film nun in der Sonderausstellung wieder der Öffentlichkeit gezeigt.

Wellenforscher mit Kamera

Franz Graf von Larisch-Moennich wurde 1878 im Schloss Schönstein in Schlesien geboren. Sein privilegierter Status ermöglichte es ihm, seiner Leidenschaft nachzugehen. Er folgte seinem Interesse für die Fotografie des Meeres und begann mit einer systematischen Beobachtung und Erforschung der Wellenarten unter verschiedenen Windverhältnissen.

Im Jahr 1908 nahm Graf Larisch Kontakt zum Institut und Museum für Meereskunde in Berlin auf. Es entstand gemeinsam die Idee, einen „Wellenatlas“ zu entwickeln. Noch im gleichen Jahr trat er dafür die erste lange Reise auf dem Segelschiff POSEN um das Kap Hoorn an.

Südlich vom Kap gelang ihm am 20. Februar 1909 bei Windstärke 12 die Aufnahme von etwa 15 Meter hohen Riesenwellen. Die sich hoch auftürmenden Wogen brachten Schiff und Mannschaft in große Gefahr. Dies hielt Graf Larisch in den folgenden Jahren jedoch nicht von weiteren Reisen ab.

1926 begab er sich als Korrespondent des Instituts für Meereskunde mit dem Dampfschiff AACHEN auf die Fahrt nach Australien. Dabei experimentierte er zum ersten Mal mit der Filmkamera, einer Zeiss-Ikon-Kinamo. Höhepunkte wurden die Fahrten mit den Schulschiffen PADUA und PRIWALL um das Kap Hoorn in den Jahren 1927 bis 1930.

Nach seiner letzten Reise 1930 zog sich Graf Larisch nach Tegernsee in Bayern zurück. Dort starb er am 1. November 1937.

Bestand Larisch im Historischen Archiv

Die Fotografien von Graf Larisch-Moennich waren seit März 1932 Teil der neuen Museumsabteilung „Meereswellen“ im Institut und Museum für Meereskunde in Berlin. Nach der Auflösung des kriegszerstörten Museums gerieten die Sammlungen und Archive in Vergessenheit. Seit den 1990er Jahren bemüht sich das Deutsche Technikmuseum, die Bestände wieder zusammenzuführen und zugänglich zu machen. Mitte der 1990er Jahre kam ein Teil der Fotografien von Graf Larisch in den Bestand des Historischen Archivs der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Der Bestand Larisch dort umfasst insgesamt 131 Fotografien und fotografische Drucke.

Die Ausstellung wurde kuratiert von der Kunstwissenschaftlerin und Verlegerin Dr. Almut Weinland in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin.

Besucherinformationen

Deutsches Technikmuseum
Trebbiner Straße 9, D-10963 Berlin-Kreuzberg

Ausstellungsdauer: bis 31. März 2019 7. April 2019 (verlängert!)
Öffnungszeiten: Di bis Fr 9.00-17.30 Uhr, Sa. u. So 10-18 Uhr
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 6 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Deutsches Technikmuseum

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Sturmsee und Brandung (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen