Heinz von Perckhammer. Fotografenkarriere zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Eine Forschungsarbeit von Kathrin Schönegg

Seit Januar 2014 gibt es an der Berlinischen Galerie das Thomas Friedrich-Stipendium für Fotografieforschung. Initiiert und finanziert durch den Fotosammler und Fotohistoriker Manfred Heiting (The Heiting Library Trust) ermöglicht es jungen Wissenschaftlern, jeweils für die Dauer eines Jahres einzelne Konvolute der Fotografischen Sammlung zu bearbeiten.

Im Jahr 2017 forschte die Stipendiatin Kathrin Schönegg zu Heinz von Perckhammer (1895—1965), über dessen Leben und Werk bisher sehr wenig bekannt war. In der Sammlungspräsentation ist ihm nun bis zum 11. März 2019 auch ein Ausstellungsraum gewidmet.

Grundlage der Forschungsarbeit von Kathrin Schönegg waren 160 Fotografien von Heinz von Perckhammer in der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie. Diese Arbeiten stammen alle aus dem ehemaligen Bildarchiv der völkisch-konservativen Zeitschrift Volk und Welt (1934—1944).

Heinz von Perckhammer verstand sich als „künstlerischer Pressefotograf“. Zu seinen Arbeitsbereichen gehörten Reportagen, Genrebilder, Porträts und Aktfotografien. In den Jahren der Weimarer Republik war er mit seinen aufsehenerregenden Bildern aus China und mit Aufnahmen, die sich an der Bildsprache der Moderne orientierten, ein international erfolgreicher Fotograf.

Der heute in Vergessenheit geratene Heinz von Perckhammer steht aber zugleich exemplarisch für die 1930er und 1940er Jahre. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 griff er die Propagandaästhetik des nationalsozialistischen Regimes in einem gewichtigen Teil seiner Bilder nicht nur auf, sondern vermarktete sie auch mit Erfolg. Damit ist sein Werdegang vergleichbar mit vielen seiner Kollegen, die ihre berufliche Karriere unter den Bedingungen des diktatorischen Regimes bruchlos fortgesetzt haben.

Publikation

Die Ergebnisse der Thomas Friedrich-Stipendien werden in der Museumspublikationsreihe „Forschungsberichte“ veröffentlicht. Im November 2018 erschien

Kathrin Schönegg. Heinz von Perckhammer. Eine Fotografenkarriere zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus, Berlinische Galerie (Hrsg.), gebunden, 80 Seiten, 99 Abbildungen
Preis: 24,50 €

Über das Thomas Friedrich-Stipendium

Mit ihren rund 80.000 Werken hat die Berlinische Galerie eine der bedeutendsten Fotografischen Sammlungen Deutschlands. In ihr spiegelt sich der Beitrag Berlins zur Entwicklung der Fotografie von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute wider. Schwerpunkte sind die Porträt- und Stadtfotografie, die neuen Tendenzen fotografischen Arbeitens in der Moderne, die Neuansätze der Autorenfotografie seit den 1970er Jahren, eine der qualitätsvollsten Sammlungen zur Fotografiegeschichte der DDR und herausragende Arbeiten der zeitgenössischen Fotoszene.

Das mit jährlich 15.000 Euro dotierte Stipendium wird durch die Unterstützung des international bekannten Sammlers und Fotografie-Förderers Manfred Heiting ermöglicht und in enger Zusammenarbeit mit ihm durchgeführt. Namensgeber des Stipendiums ist der Berliner Kurator, Verleger, Publizist und Fotografiehistoriker Thomas Friedrich (1948—2011). Seine Leidenschaft für die Fotografie und sein Forscherinstinkt sind Vorbild und Aufforderung, um bisher unerforschte Sammlungsbestände der Berlinischen Galerie wissenschaftlich zu erschließen.

Die Forschungsinhalte und Themen entwickelt eine Fachjury, bestehend aus: Janos Frecot (ehemaliger Leiter der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie), Ulrich Domröse (Leiter der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie), Dr. Ingrid Wagner (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) und Manfred Heiting als informelles Mitglied.

Besucherinformationen

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128, D-10969 Berlin
Tel +49 (0)30-789 02-600

Ausstellungsdauer: bis 11. März 2019
Öffnungszeiten: Mi bis Mo 10–18 Uhr, Di geschlossen
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Berlinische Galerie.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen