Maks Dannecker. Where Contemporary Alchemists Dwell

Die Gretchen-Frage nach den Werten und dem Reichtum

Maks Dannecker nennt eine ihrer Werkserien Where Contemporary Alchemists Dwell. Darin zeigt die Fotokünstlerin Editionen in Form von Digitaldrucken auf Leinwand. Die Galerie Nieser in Stuttgart präsentiert ihre beeindruckenden Fotografien noch bis zum 1. März 2019.

Schon Goethe wusste, was die Welt regiert. In seinem Faust stellt er nicht nur die Gretchen-Frage nach der Religion, sondern vielfach auch die Frage nach dem Geld und nach dem Gold. Es geht um die Mehrung von Werten, um möglichen Reichtum in Zukunft. Die Hoffnung auf Wertsteigerung verbindet die früheren Alchemisten, die glaubten, wertloses Metall in Edelmetall verwandeln zu können, mit dem heutigen Börsenhandel.

Die Fotografin greift auf ihre auf wenige Farben reduzierte, fast geheimnisvolle Bildserie zurück, welche eine gegenwärtige Alchemie mit den Hypes eines Börsenkurses verknüpft und in Poolbildern kulminiert. Der Pool als Sammelbecken und Lagermöglichkeit in vielerlei Beziehung, der Tresor als sicherer Ort und Schutzbehältnis birgt in ihrer freien Arbeit eben nicht nur materielle Werte, sondern erscheint offenkundig weiter gefasst zu sein.

Wie jede künstlerisch gute Arbeit ein Reservoir, also eine Anlagerung voller innovativer Ideenschätze und geheimnisvoller Sinnverstecke bedeutet, so unterstreicht Maks Dannecker in ihren Arbeiten bewusst die Vereinbarkeit der Ambivalenz sowohl konkret gesehener Wirklichkeit als auch der Fiktion derselben als geheimnisreich verwunschene Orte.

Maks Dannecker beschreibt ihre Pool-Bilder als quasi unkonventionelle Optionen, Tresore zur Lagerung von Edelmetallen, mit einem Augenzwinkern. Was an dieser Aussage real, was fiktiv ist, verrät sie nicht. Mal panoramatisch, mal nahsichtig ausschnitthaft angelegt ragen hier im Wechselspiel von extremen Schärfen und bewussten Unschärfen Fragmente weißer Baukörper aus wolkig schwarzen Vegetationen als Embleme von Landschaft. Türkis fluide Flächen assoziieren beim Betrachter unwillkürlich die Rand- und Uferlagen von künstlich angelegten Gewässern. Die Künstlerin präsentiert ihr Werk am Rande der Abstraktion und kreiert mit bestechend klaren Sujets konzeptionell eine über-reale Fiktion.

Über Maks Dannecker

Maks Dannecker, konzeptionell arbeitende, gelernte Fotografin (Jahrgang 1976), verarbeitet bevorzugt Fragmente aus ihrem beruflichen und privaten Alltag in verschiedenen Werkserien. Ihre Arbeiten wurden bislang national und international in einer Vielzahl von Ausstellungen gezeigt. Einzelne Projekte sind in den letzten Jahren dokumentiert in einer stattlichen Anzahl von begleitenden Publikationen. Ihre Arbeiten sind in verschiedenen Sammlungen vertreten, u.a. in der renommierten Berliner Sammlung Haupt: Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld.

Besucherinformationen

Fotowerkstatt & Galerie Norbert Nieser
Große Falterstr. 31/3, 70597 Stuttgart 
Tel +49 (0)711 76 56 719

Ausstellungsdauer: bis 1. März 2019
Öffnungszeiten: Mi bis Fr 16-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Fotowerkstatt & Galerie Norbert Nieser

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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