Mark Steinmetz: united states

Chronist des amerikanischen Alltagslebens

Mit der Ausstellung Mark Steinmetz united states präsentiert die FOTOHOF galerie in Salzburg noch bis zum 23. März 2019 einen bemerkenswerten zeitgenössischen Fotografen aus den USA, dessen in 40 Jahren konsequenter und stoischer fotografischer Arbeit geschaffenes Werk viele Künstler – auch in Europa − beeinflusst hat.

Dennoch ist diese Werkschau die erste Einzelausstellung des Künstlers in Österreich. Sie präsentiert Ausschnitte aus den wichtigsten Arbeitszyklen der letzten drei Jahrzehnte und gibt Einblicke in alle bisher erschienenen 16 Fotobuch-Monografien.

Steinmetz fasziniert als aufmerksamer Chronist. Seine Fotografien berichten ganz unaufdringlich vom amerikanischen Alltagsleben. Schauplatz der meisten Bilder ist der Dixie, die Südstaaten der USA mit ihrer schwülen Hitze, Gemächlichkeit und zusammengeschusterten Eleganz. Neugierde, Respekt und Zurückhaltung prägen die Begegnungen, die Steinmetz mit uns teilt. Seine Bilder erzählen von einer Welt jenseits einfacher politischer oder sozialer Zuschreibungen, die einen offenen Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft oft verstellen. Mark Steinmetz bezeichnete seine Heimat einmal als ein „halbwüchsiges Land“ und in diesem Sinne erhalten seine Fotografien, die oft von den Dilemmata der Jugend erzählen, eine hintergründigere und komplexere Ebene als viele vergleichbare Genrebilder.

Die szenischen Beobachtungen und Portraits von Mark Steinmetz besitzen eine intime Nähe, die sich gleichzeitig überraschend unaufdringlich anfühlt. Seine Arbeitsweise schafft eine Atmosphäre, die alle − den Fotografen, die Protagonisten und die Betrachter − in einen Zustand einer speziellen Verbundenheit führt, in der kein Raum für Posen bleibt.

Seine fotografischen Serien katalogisieren nahezu beiläufig all die Geldautomaten, Telefonzellen, Fastfood-Orte und Automobilien, die unsere Gegenwart in Raum und Zeit verflechten. Dennoch erscheint alles genauso losgelöst und Teil einer neuen, eigenen Fiktion.

Mark arbeitet geduldig in langfristigen und oft parallelen Projekten, die antizyklisch entstehen oder erscheinen. In Vorwärts-und Rückwärtsbewegungen zugleich formulieren sich diese zu Serien, die mit großem zeitlichen Abstand editiert und veröffentlicht werden. Anstatt in eine nostalgische Rückschau zu verfallen, erzählt Steinmetz von Sujets und Personen, die von aktueller Aufgeregtheit wie befreit wirken.

Sichtbar und abgeschlossen werden seine Projekte zuletzt in Buchform. Die Titel sind oft von einem Ort oder einer Region inspiriert und könnten thematisch auch Zeiträume einer Ära umfassen. In der southern trilogy beschreibt z.B. Greater Atlanta eine Atmosphäre, in der die unbeschwerte Euphorie der Benzin-hörigen Mobilität gebrochen scheint. Der Titel des ersten Teils, South Central, leitet sich von der Telefongesellschaft South Central Bell ab, die Knoxville verkabelte. Diese Serie erinnert an den sozioökonomischen Zustand der Region kurz vor der Digitalisierung des Alltags.

Diese Bilder kommen einem wie Szenen aus epischen Filmwerken vor und sie beschreiben präzise und voller ehrlicher Faszination an den Menschen. Marks Fotografien erreichen einen sehr direkt, können Umstände und Zustände sichtbar machen und schaffen es gleichzeitig etwas Geheimnisvolles zu bewahren.

Die Ausstellung united states wurde 2017 in der Lothringer13 Halle und dem Amerikahaus in München erstmals gezeigt und von den Kuratoren Jörg Koopmann und Lene Harbo Pedersen mit Mark Steinmetz und dem FOTOHOF neu arrangiert.

Besucherinformationen

FOTOHOF
Inge-Morath-Platz 1-3, A-5020 Salzburg
Tel +43 662 84 92 96

Ausstellungsdauer: bis 23. März 2019 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 15-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr
Eintritt: frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von FOTOHOF.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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