Rezension: Ch. Westphalen. Das große Buch der Objektive

Das große Buch der Objektive Book Cover Das große Buch der Objektive
Christian Westphalen
Fototechnik
Rheinwerk Verlag
28. September 2018
Hardcover
388

.

Hat mehr als 5 Sterne verdient!

Kein Photobuch hat mir in den letzten Jahren mehr Spaß gemacht. Das schon mal vorab.

Wer einen Hauch technisches Interesse hat, wird dieses Buch als tiefe und reiche Informationsquelle schätzen und dauerhaft nutzen. Dabei ist Das große Buch der Objektive kein Lesebuch – obwohl man es natürlich von vorn nach hinten durchgehen kann.

Es behandelt Objektivtypen, -Funktion und -Fehler auf knapp 390 textlastigen Seiten in den Kapiteln

  • Grundlagen
  • Schärfe
  • Objektive
  • Abbildungsfehler
  • Bokeh
  • Gestaltung
  • Altglas und Fremdobjektive Einsetzen

Eingestreut werden sieben mehrseitige Objektivportraits, die besondere oder interessante Objektive in Aufbau und Eigenarten näher vorstellen und erklären. Bis hierhin entspricht das Buch im Grunde meinen Minimalerwartungen.

Bild: © Rheinwerk Verlag

Was mich aber an diesem Buch begeistert, ist die Art, wie der Autor komplexe Sachverhalte verständlich macht. Optik ist angewandte Physik und ein gewisses technisches Verständnis ist erforderlich, um zum Beispiel den Erklärungen zur Scheimpflugschen Regel, der Beugung oder der Apodisation folgen zu können. Da Christian Westphalen selbst Fotograf ist, verliert er sich nie zu sehr in theoretischen Betrachtungen, sondern erklärt die Sachverhalte anschaulich und anhand von Beispielbildern.

Das Kapitel „Bokeh“ räumt zum Beispiel auf 40 Seiten mit vielen meiner Vorurteile (und peinlichem Halbwissen) auf. Weder gibt es „das“ Bokeh noch ist ein „weiches Bokeh“ eine genormte Größe. Eingegangen wird auf unter anderem auf Front- und Backbokeh, Donut- oder Ringbokeh, Farb-, Zwiebel-, Swirl- und Seifenblasenbokeh. Dabei wird eben nicht nur gezeigt, wie dies im Detail aussieht, sondern insbesondere erklärt, wie und welche Objektivkonstruktion und Lichtsituation zu einer solchen Abbildung führt.

Bild: © Rheinwerk Verlag

Das ist ohnehin wichtig zu verstehen: es ist nicht möglich ein 100%iges Objektiv zu bauen; jede positive oder gewünschte Eigenschaft „bezahlt“ man mit zumindest einem mehr oder weniger sichtbaren Fehler. Viele „Portraitbrennweiten“ sind auf kurze oder mittlere Aufnahmedistanz und ein weiches Bokeh optimiert, leisten sich aber (teilweise gut sichtbare) Schwächen bei der Fokussierung auf große Distanz oder Unendlich. Das fällt kaum auf – wer nutzt denn bitte sein 85er als Tele draußen in der Natur?

Farbquerfehler (Chromatische Aberration) werden inzwischen von Kameras und Software so sicher und komplett korrigiert, dass sie als Objektivfehler kaum noch ins Gewicht fallen, anders als Farblängsfehler, deren Korrektur immer noch nur sehr beschränkt möglich ist. Wichtig ist also nicht der Fehler, sondern ob er in der konkreten Aufnahmesituation ins Gewicht fällt und wie man damit umgehen kann oder muss.

Fazit

Das große Buch der Objektive wendet sich nicht an Anfänger – ein photographisches und technisches Grundverständnis wird voraus gesetzt. Wenn das auf Sie zutrifft und Sie dieses Jahr auch nur ein einziges Photobuch kaufen wollen, dann kaufen sie dieses! Der Fünfziger ist blendend angelegt. Sie werden die Möglichkeiten und Beschränkungen Ihres Werkzeugs besser verstehen; das macht Sie zu einem bewussteren – und in Konsequenz besseren – Photographen. Volle Punktzahl (und noch mehr :o)

Die Daten

Christian Westphalen. Das große Buch der Objektive. Technik, Ausrüstung und fotografische Gestaltung erschien am 28. September 2018 im Rheinwerk Verlag. 388 Seiten, gebunden, in stabiler Fadenheftung. Großes Bildbuchformat 21 x 24 cm, mit Lesebändchen. Hochwertig in Farbe gedruckt auf matt gestrichenem Bilderdruckpapier (135 g). Gut lesbare serifenlose Schrift (Franklin ITC Pro 9,25 Pt.). Zweispaltiges Layout mit mehr als 600 Grafiken und Originalfotos. Auch als E-Book zum Herunterladen im PDF-Format (107 MB) und als Onlinebuch erhältlich.
ISBN: 978-3-8362-5851-7
Preis: 49,90 Euro (Buch) | 44,90 Euro (E-Book) | 54,90 Euro (Buch und E-Book im Bundle)

Hier geht es zur Leseprobe.

Rezension: Stefan Schmitz

Unsere Bewertung:

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen