Fotoreportagen von Stefan Moses

Das exotische Land

Stefan Moses, Festspielbesucherinnen in Bayreuth, 1961 © Elsa Bechteler-Moses

Vom 1. Februar bis 12. Mai 2019 widmet das Deutsche Historische Museum in Berlin dem Fotografen Stefan Moses eine beeindruckende Ausstellung. Anhand von 250 Fotografien sowie Zeitschriften und Büchern zeichnet die Ausstellung Moses‘ Weg vom umtriebigen Fotoreporter zu einem der wichtigsten Porträtfotografen und Chronisten der Bundesrepublik nach.

Stefan Moses (1928-2018) zählt zu den großen Fotografen der Bundesrepublik. Seine Aufnahmen von Angehörigen verschiedenster Berufsgruppen – stets im Freien vor einem grauen Tuch entstanden – machten ihn Anfang der 1960er Jahre zu einem der gefragtesten Porträtfotografen Deutschlands. Weniger bekannt ist dagegen sein Frühwerk: Fotoreportagen, für die Moses seit 1950, meist im Auftrag illustrierter Zeitschriften des Münchner Kindler-Verlages, durch Deutschland, Europa und Übersee reiste.


li: Stefan Moses, Rollmopspackerinnen, 1962/1964 © DHM/ Else Bechteler-Moses | re: Stefan Moses, Frauen unter Trockenhauben im Friseursalon, undatiert © Elsa Bechteler-Moses

1960 wechselte Moses zur führenden deutschen Illustrierten „Stern“, die für ihre aufwendigen Fotoreportagen die besten Fotografen Deutschlands engagierte. Stefan Moses reiste für das Magazin unter anderem nach Israel, Großbritannien und Chile. Immer wieder aber berichtete er mit großem soziologischem Gespür und einer unverkennbaren fotografischen Handschrift auch aus dem „exotischen“ Land Deutschland – einem Land, das sich nach Terror und Krieg mit Wiederaufbau und Wirtschaftswunder neu erfinden wollte.

Anlässlich seines ersten Todestags am 3. Februar 2019 zeigt die Ausstellung erstmals frühe und heute weitgehend unbekannte Fotoreportagen und Bildessays aus dem Nachlass Moses‘ neben einer Auswahl aus seinen berühmten Porträtserien Deutsche und Emigranten aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Politische Momentaufnahmen, gesellschaftliche Beobachtungen und humorvolle Alltagsimpressionen verdichten sich dabei zu einem Porträt der jüngeren deutschen und internationalen Zeitgeschichte.

Stefan Moses, Schaulustige warten auf den Ausritt der Queen, 1962 © Elsa Bechteler-Moses

Gemeinsam ist ihnen Moses‘ ironisch-distanzierter, aber nie denunzierender Blick auf die Menschen und die gesellschaftlichen Verhältnisse. Deutschland und die Deutschen blieben dabei bis zuletzt sein Lebensthema. „Für mich ist Deutschland genau so exotisch wie Afghanistan oder Paraguay, überall unerforschte Gebiete“, begründete Stefan Moses einmal seine Jahrzehnte andauernden fotografischen Erkundungen.

Besucherinformationen

Deutsches Historisches Museum
Zeughaus und Ausstellungshalle
Unter den Linden 2, D-10117 Berlin
Tel. +49 30 20304-0

Ausstellungsdauer: bis 12. Mai 2019 
Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr
Eintritt: 8 €, ermäßigt 4 €, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Deutsches Historisches Museum.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Deutschlands Emigranten (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen