Meinrad Schade. Unresolved

Krieg ohne Krieg

Seit rund 20 Jahren arbeitet Meinrad Schade an dem Projekt Krieg ohne Krieg. Im Gegensatz zur klassischen Kriegsfotografie geht es ihm um Schauplätze, die sich in unterschiedlicher räumlicher und/oder zeitlicher Distanz zu den Kriegen befinden. Sein Fokus liegt nicht auf dem eigentlichen Kriegsgeschehen, sondern auf der Frage, wie sich ein Konflikt im Alltag zeigt. Gesichter und Körper, Landschaften, Dörfer und Städte, Straßen, Plätze und Wohnzimmer, Arbeitswege und Freizeitparks, Museen, Gedenktage und Theaterbühnen: Kein Bereich des Lebens bleibt von einem Konflikt unberührt – und das für lange Zeit.

Die Galerie für Fotografie (GAF) in Hannover zeigt noch bis zum 24. März 2019 die beeindruckende Fotoausstellung zum Projekt.

Bis 2012 arbeitete Schade in verschiedenen Staaten der ehemaligen Sowjetunion an dem Projekt. 2015 erschien dazu sein Buch Krieg ohne Krieg.

2013 wandte er sich dann dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu und verbrachte bis 2017 rund sieben Monate im Kernland Israel und in den besetzten sowie annektierten Gebieten, das heißt, in der Westbank, auf dem Golan und im Gazastreifen. In dieser teilweise sehr angespannten Zeit, in der es fast täglich zu tödlichen Auseinandersetzungen kam, hielt Meinrad Schade sich in Gebieten beider Konfliktparteien auf. Er bewegte sich zwischen den unterschiedlichen Gesellschaften, Wirklichkeiten und Haltungen hin und her. Unterschiedliche Perspektiven auf die gleiche Situation wurden so zu einer realen Erfahrung.

Dabei versuchte Schade, die viel fotografierten Orte in Israel, im Westjordanland, im Golan und im Gazastreifen neu zu entdecken. In einer Endlosschleife aus Aufbau, Zerstörung und Wiederaufbau, aus Idee, Wille und Destruktion sind auch die Menschen gefangen, die in diesem instabilen Raum leben. Überall zeigt sich ihnen der Konflikt modellhaft in Symbolen, was gleichsam ein Skript vorlegt, nach dem sie sich verhalten. Auszubrechen scheint unmöglich. Durch Reaktionen und Gegenreaktionen, durch Bilder und Gegenbilder wird der Konflikt immer wieder neu befeuert. Über Jahrzehnte in die Köpfen eingebrannt, geben die sich gegenseitig ausschließenden Narrative den parallel lebenden Gesellschaften vermeintlich Halt. Das Gefühl ständiger Bedrohung bleibt aufrechterhalten, es gehört zur Raison d’être, der Konflikt ist ungelöst.

Über Meinrad Schade

Meinrad Schade, 1968 in Kreuzlingen geboren, entschied sich 1996 nach dem Abschluss des Studiums der Biologie an der Universität Zürich für die Fotografie. Die Ausbildung zum Fotografen machte er 1997/98 im Rahmen der Gruppe Autodidaktischer FotografInnen (GAF) in Zürich und absolvierte 1999/2000 am Medienausbildungszentrum (MAZ) den Lehrgang für Pressefotografie.

Nach einer Festanstellung als Pressefotograf beim St. Galler Tagblatt machte sich Meinrad Schade 2002 als Porträt- und Reportagefotograf selbständig und trat der Agentur Lookat Photos bei. 2011 wurde er mit dem Swiss Photo Award sowie mit dem ewz.selection-Preis in der Kategorie „Redaktionelle Fotografie“ ausgezeichnet. 2013 gewann er den n-ost Reportagepreis in der Kategorie Fotoreportage. 2015 zeigte die Fotostiftung Schweiz in Winterthur die große Einzelausstellung Krieg ohne Krieg, parallel dazu erschien die gleichnamige Monografie. Sie wurde beim Deutschen Fotobuchpreis mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. 2018 erschien das Buch Unresolved, das sich mit dem Israelisch-Palästinensischen Konflikt beschäftigt.

Publikationen

Rezension: Meinrad Schade. Unresolved

Rezension: Meinrad Schade – Krieg ohne Krieg

Besucherinformationen

Galerie für Fotografie in Hannover (GAF)
Seilerstraße 15d, D-30171 Hannover
Tel +49 (0)511 89977313

Ausstellungsdauer: bis 24. März 2019
Öffnungszeiten: Do bis So 12-18 Uhr
Eintritt: frei!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Galerie für Fotografie in Hannover (GAF).

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Unresolved (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen