Johanna Diehl. Ukraine Series

Sakralräume, die keine mehr sind

Die Galerie Wilma Tolksdorf in Frankfurt zeigt noch bis zum 30. März 2019 27. April 2019 (verlängert!) die Fotoausstellung Ukraine Series der Künstlerin Johanna Diehl.

Johanna Diehls umfangreiche Werkgruppe beschäftigt sich mit dem gegenwärtigen Erscheinungsbild einstiger Synagogen in der Ukraine. Bereits in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurden diese im Zuge der antireligiösen Politik der Sowjetunion enteignet und teilweise in kommunale Zentren wie Kinos, Sporthallen und Klubs umgewandelt, deren Funktion sie häufig bis heute erfüllen.

Das religiöse Leben verlagerte sich daraufhin von der Synagoge in den Privatraum. 1941 leitete die deutsche Besatzungsmacht den Genozid an den ukrainischen Juden ein, was zur fast völligen Vernichtung der jüdischen Gemeinden in der Ukraine führte.

Orte und Gebäude, an denen sich die Spuren der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ablesen lassen und ihre historische Relevanz für die Gegenwart stehen im Mittelpunkt von Johanna Diehls fotografischen Serien. Ihre Werke fixieren Architekturen, die Aufschluss geben über ihre ursprüngliche, kulturelle Bedeutung, jedoch vom Verfall und Adaption gezeichnet sind.

In ihren mit der analogen Großformatkamera aufgenommenen Fotografien spürt die Künstlerin den Schichten der entweihten und verfremdeten Sakralräume nach. Die weiten Blickwinkel der teils großformatigen Fotografien lenken die Aufmerksamkeit auf die Raumgestalt. Die ursprüngliche, religiöse Bestimmung und prachtvolle Gestaltung des jeweiligen Ortes offenbaren sich dem Betrachter auf eindrucksvolle Weise. Ihre stumme Zeitzeugenschaft manifestiert sich in einzelnen erhaltenen Details, den Rissen und Brüchen, in schrillen Farben, genauso wie in neuen Einbauten und modernem Mobiliar.

Erstmalig wurde die Werkgruppe Ukraine Series in einer Einzelausstellung in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt. Begleitend dazu erschien eine umfassende, gleichnamige Publikation.

Über Johanna Diehl

Johanna Diehl (*1977 in Hamburg) lebt und arbeitet in Berlin. Werke der Künstlerin wurden national und international u.a. in Paris, München, Rom, Berlin und Moskau gezeigt. Sie erhielt bereits zahlreiche Preise und Stipendien wie die Arbeitsstipendien der Konrad Adenauer Stiftung (EHF), der Stiftung Kunstfonds Bonn, der Akademie Schloss Solitude Stuttgart und der Casa Baldi/ Deutsche Akademie Rom Villa Massimo. Arbeiten der Künstlerin sind aktuell Teil von Gruppenausstellungen in der UB Anderson Gallery in Buffalo/NY, der Kaunas Biennale (Litauen), dem Bucerius Kunstforum, Hamburg, der Pinakothek der Moderne, München und dem Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach. Im Herbst 2019 zeigt das Haus am Waldsee in Berlin eine umfassende Einzelausstellung.

Besucherinformationen

Galerie Wilma Tolksdorf
Hanauer Landstrasse 136, D-60314 Frankfurt am Main
Tel +49 (0)69 430 594 27

Ausstellungsdauer: bis 30. März 2019 27. April 2019 (verlängert!)
Öffnungszeiten: Di bis Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr und nach Vereinbarung

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Galerie Wilma Tolksdorf.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Ukraine Series (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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