Manfred Willmann in der Albertina

Zahlreiche Details und sehr viel Blitz

Die ALBERTINA in Wien widmet dem österreichischen Fotografen Manfred Willmann (*1952) noch bis zum 26. Mai 2019 eine umfassende monografische Ausstellung. Willmann hält in seinen über mehrere Jahre hinweg aufgenommenen Serien alltägliche Szenen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld in Graz und der ländlichen Südsteiermark fest.

Die Ausstellung umfasst sechs umfangreiche Werkgruppen, in denen sich Willmanns sehr direkte, subjektive Sichtweise manifestiert. Die Fotografien lassen sich sowohl als autobiografische Introspektion als auch als Studie über soziale Strukturen im ländlichen Raum lesen.

Ende der 1970er-Jahre entwickelt Willmann ein visuelles Vokabular, das die Wahrnehmung seiner bislang als nicht darstellungswürdig geltenden Motive bestimmt. Der Fokus auf Details und enge Bildausschnitte gehören ebenso dazu wie der konsequente Einsatz von Blitzlicht. Seit 1979 setzt Manfred Willmann in seinen Arbeiten Blitzlicht ein, obwohl es damals für die künstlerische Fotografie als verpönt galt.

Die dadurch bedingten gestalterischen Einflüsse integriert Willmann bis heute in seine Arbeiten: Blitzlicht akzentuiert helle Oberflächen, erzeugt Reflexionen und betont unterschiedliche Texturen. Die Aufmerksamkeit der Betrachtenden wird auf Details gelenkt, die durch das Blitzlicht hervorgehoben werden. Durch die grelle Beleuchtung entstehen Schlagschatten, welche die Motive vom Umraum loslösen. Dies wird dadurch verstärkt, dass die angeleuchteten Objekte oder Personen heller, ihre Umgebung dunkler erscheint. Die Kontraste werden stärker, die Bildschärfe wird gesteigert. Durch seitliche Beleuchtung erhöht sich die Plastizität von Gegenständen. In Willmanns Farbfotografien verleiht Blitzlicht Farben eine höhere Intensität und übersteigerte Wirkung.

Die einzigartige Bildsprache des Künstlers zeigt sich erstmals in der Werkgruppe Schwarz und Gold (1979‒1981), in der die Auseinandersetzung mit Willmanns eigener Biografie im Mittelpunkt steht. Wegweisend ist Willmann in der Verwendung der Farbfotografie. Als einer der ersten österreichischen Fotografen setzt er sie bereits 1981 in der Werkgruppe Die Welt ist schön (1981‒1983) als künstlerisches Ausdrucksmittel ein.

Sein Opus magnum ist die Arbeit Das Land (1981‒1993). Darin bricht Willmann mit einer idyllischen Darstellung des Landlebens in Österreich und entzieht sich gleichzeitig der ideologischen Vereinnahmung seiner Aufnahmen. Von einer neuen Nahsichtigkeit gekennzeichnete dezentere Arbeiten wie Blitz & Enzianblau (2005) und 2018/2017 (2017/18) greifen Themen auf, die Willmann in seinem Werk beharrlich untersucht: die gemeinsame Gestaltung eines Lebensraumes, Vergänglichkeit, den Zustand der Natur.

Die ALBERTINA zeigt neben den einflussreichen Serien Schwarz und Gold und Das Land auch diese neueren Arbeiten, beleuchtet zentrale Aspekte in Willmanns Schaffen und spannt einen Bogen über sein Werk vom Ende der 1970er-Jahre bis heute. Sämtliche Werke dieser Ausstellung stammen aus der ALBERTINA oder aus dem Besitz des Künstlers.

Publikation

Der begleitende Katalog zur Ausstellung vereint Willmans wichtigste Werke:

Klaus Albrecht Schröder und Anna Hanreich (Hrsg.): Manfred Willmann. 2019, Hardcover, 200 Seiten, 28,5 x 24,5 cm. Erhältlich zum Preis von 29,90 Euro vor Ort im Shop sowie online auf der Seite der ALBERTINA.

Über Manfred Willmann

Neben seiner künstlerischen Arbeit zeichnete Manfred Willmann als Leiter des Fotoreferats des Forums Stadtpark in Graz (1975‒1996) und als Herausgeber der von ihm 1980 gegründeten Zeitschrift Camera Austria International bis 2010 für zahlreiche Ausstellungen nationaler und internationaler Fotografen verantwortlich.

Besucherinformationen

Albertina
Albertinaplatz 1, A-1010 Wien
Tel +43 (0)1 534 83-0

Ausstellungsdauer: bis 26. Mai 2019
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Mi u. Fr 10-21 Uhr
Eintritt: 16,00 €, 19-26 Jahre 11,00 €, ab 65 Jahre 11,00 €, unter 19 Jahren frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Albertina.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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