Roselyne Titaud. Géographies des limites humaines

Stillleben und Natur als Innendekoration

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln zeigt bis zum 21. Juli 2019 fotografische Arbeiten von Roselyne Titaud (*1977). Ihre Motivwelt umfasst das Interieur verbunden mit vorgefundenen Stilllebenformationen sowie Naturbetrachtungen. Sie entstanden etwa in Wäldern und Flusslandschaften in Deutschland und Frankreich. Roselyne Titaud hat an der École des Beaux-arts in Saint-Étienne studiert und lebt seit einigen Jahren in Berlin.

Unter dem Titel Géographies des limites humaines – eine Referenz an ein Gedicht von Paul Eluard, verfasst 1936 – hat die Künstlerin eine Auswahl aus unterschiedlichen fotografischen Serien getroffen (A bruit, Tiefe, 2012–2013; Interieurs, Arrangements, 2001–2007; Am Löwentor, 2009; Les vallées, 2015; La Loire, 2017–18) und mit weiteren Einzelmotiven aus ihrem Schaffen in einen assoziativen Zusammenklang gesetzt. Die Ausstellung verfolgt keinen chronologisch-retrospektiven Ansatz. Vielmehr geht es Roselyne Titaud um motivische, thematische und formale Querverbindungen, um das Ausloten von sich verändernden Bedeutungszusammenhängen, wie sie je nach Kontext in die eine oder andere Richtung verweisen. Auch mediale Fragestellungen und Präsentationsformen spielen eine Rolle.

Das Genre des Stilllebens ist für Roselyne Titaud ein zentrales Arbeitsfeld. Ihre Bildgegenstände findet sie in französischen und Berliner Wohnungen. Dargestellt sind private dekorative Arrangements, die von persönlichen Vorlieben und Geschmäckern erzählen, auf Erinnerungsmomente anspielen und denen so eine besondere zeitliche Komponente inne wohnt.

Auf den Fotografien von Titaud entdeckt man Porzellan und Glas in unterschiedlichen Formen und Farben, als Geschirr, Vasen oder auch figürlich, dekorative Stoffe mit Mustern und Fransen, aus Spitze oder gewebt, Kissen und Überwürfe auf dem Mobiliar, Sessel, Vitrinen, Kommoden und kleine Tische, auf denen die Gegenstände drapiert sind.

Eine Motivgruppe, die besonders häufig auf den Bildern anzutreffen ist, sind Blumen, Pflanzen und auch nachgebildete Tiere. Das Spektrum reicht vom Blumenstrauß in einer Vase, über Topfpflanzen, künstlich oder echt, bis hin zum floralen Muster auf Tapeten, Teppichen oder Decken. Tiere als Porzellanfiguren, auf Bildern gemalt oder auch in Form von Muscheln oder Korallen bevölkern die Fotografien von Roselyne Titaud.

Dieser der Natur entnommene Kosmos an Gegenständen erscheint uns befremdlich wie vertraut zugleich. Er führt weg von der Gegenwart in eine vergangene Zeit, als Einrichtungsmoden und -stile noch anderen ästhetischen und materiellen Parametern unterlagen. Und darüber hinaus spiegeln sich in den vorgefundenen Arrangements letztlich gesellschaftliche Strukturen, familiäre Lebensvorstellungen und Verbundenheit sowie wirtschaftliche Voraussetzungen.

Parallel dazu ist auch eine beeindruckende Fotoausstellung mit Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt und Jim Dine zu sehen.

Besucherinformationen
Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7, D-50670 Köln
Tel +49 (0)221 888 95 300

Ausstellungsdauer: bis 21. Juli 2019
Öffnungszeiten: täglich außer mittwochs 14-19 Uhr
Eintritt: 5,50 €, ermäßigt 3 €, erster Montag im Monat freier Eintritt!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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