Graciela Iturbide erstmals in Deutschland

Hommage an die Ikone der mexikanischen Fotografie

Mujer ángel, desierto de Sonora. México, 1979 | Angel Woman, Sonoran Desert, Mexico, 1979 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

Schon ihre frühen Projekte über die Frauen von Juchitán und die Seri-Indianer haben die Mexikanerin Graciela Iturbide und ihre Bildsprache weltberühmt gemacht. Vom 8. März bis 30. Juni 2019 zeigt das Fotografie Forum Frankfurt erstmals in Deutschland eine Retrospektive der bedeutendsten Fotografin Lateinamerikas. Wir empfehlen unbedingt einen Besuch!

Ihre Bilder sind immer schwarzweiß – und zeigen zugleich alle Schattierungen der menschlichen Existenz. Traditionen und ihre Brüchigkeit, Glaube und Religion, Gemeinschaft und Tod gehören zu den zentralen Themen von Graciela Iturbide. Ihr über fünf Jahrzehnte entstandenes Oeuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der mexikanischen und der gesamten lateinamerikanischen Fotografie.

Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ehrt die 1942 in Mexiko-City geborene Künstlerin mit der ersten Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung GRACIELA ITURBIDE wurde von der Fundación MAPFRE, Madrid, organisiert. Sie präsentiert in Kooperation mit dem FFF Werke aus allen Schaffensphasen dieser außergewöhnlichen Fotografin. Die ausgestellten Fotografien gehören seit 2008 zur Sammlung der Fundación MAPFRE.

México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

Viele der Arbeiten von Graciela Iturbide kreisen um Normen und Werte. Sie thematisieren kulturelle Spannungen, vor allem in ihrem Heimatland. Das zeigt sich bereits in ihrem ersten Hauptwerk, der Langzeitstudie Juchitán de las Mujeres (Juchitán of Women). Zwischen 1979 und 1988 reist Iturbide immer wieder in die mythische Stadt Juchitán im südmexikanischen Staat Oaxaca. Juchitán ist Heimat der antiken Hochkultur der Zapoteken und heute bekannt für die Dominanz der Frauen in der örtlichen Wirtschaft und Politik. Iturbide lebt zeitweise in der matriarchalen Gemeinschaft. Dort porträtiert sie die Frauen, ihre tief verwurzelte Unabhängigkeit und ihre würdevolle Stärke.

Ein anderes Projekt positioniert Graciela Iturbide zwischen dem Dokumentarischen und dem Poetischen. Es befasst sich ab Ende der 1970er Jahre mit den Seri-Indianern in der Sonora-Wüste. Dabei gelingt es der Fotografin, über die konkreten Lebensumstände hinaus den Zwiespalt einzufangen, der das indigene Leben zwischen ethnischer Tradition und westlicher Moderne prägt.

Autorretrato con los indios seris, desierto de Sonora, México, 1979 | Self-portrait with the Seri, Sonoran Desert, Mexico, 1979 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

Immer aufs Neue zeigt sich Iturbides Talent, mit ungewöhnlichen visuellen Metaphern von der Vielschichtigkeit des Lebens zu erzählen. Dazu gehört die Theatralik religiöser Feiern und karnevalartiger Totenrituale in den Straßen Mexikos ebenso wie der Körperkult der 1980er-Straßengang White Fence in Los Angeles. Auch die mystische Atmosphäre in Gärten und Landschaften, die sie in Mexiko und auf ihren Reisen in andere Länder entdeckt, fasziniert sie. Über alle Jahre hinweg erarbeitet die Fotografin auch bemerkenswerte Fotoessays über Vögel.

2006 durfte Graciela Iturbide als Erste eines der Badezimmer im Haus von Frida Kahlo fotografieren. Voller Respekt nähert sich die Ikone der mexikanischen Fotografie der Ikone der mexikanischen Malerei. Sie findet den Dialog mit den Objekten und Utensilien der Malerin in dem seit Kahlos Tod 1954 geschlossen Raum. Auch hier bleibt sie ihrem künstlerischen Anspruch »photography is a pretext to discover« treu. Mit anderen Worten: Fotografieren um zu erkennen.

Über Graciela Iturbide

Graciela Iturbide, Tochter einer traditionellen katholischen Familie, studierte zunächst Film an der Nationalen Universität Mexico City. Inspiriert von ihrem Lehrer Manuel Álvaro Bravo entdeckte sie die Fotokamera für sich. Zugleich war die Fotografie für sie ein Weg, den Tod ihrer sechsjährigen Tochter zu verarbeiten. Iturbides Arbeiten wurden in aller Welt gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem W. Eugene Smith Fund Grant (1987), dem International Grand Prize of the Museum of Photography in Hokkaido, Japan (1990) und dem renommierten Hasselblad-Award (2008). Graciela Iturbide lebt und arbeitet im Künstlerviertel Coyoacán in Mexico-City.

Besucherinformationen

Fotografie Forum Frankfurt 
Braubachstraße 30–32, D-60311 Frankfurt am Main
Tel +49 (0)69 29 17 26

Ausstellungsdauer: bis bis 30. Juni 2019 
Öffnungszeiten: Di 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr, Do bis So 11-18 Uhr
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 12 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Fotografie Forum Frankfurt.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Graciela Iturbide’s Mexico: Photographs (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen