Vier Bauhausmädels

Eine Ausstellung über vier außergewöhnliche Frauen

Als zentralen Beitrag der Landeshauptstadt Thüringens anlässlich des Bauhaus-Jubiläums präsentiert das Angermuseum Erfurt die Ausstellung Vier Bauhausmädels. Gertrud Arndt (Textil, Fotografie), Marianne Brandt (Metall, Fotografie), Margarete Heymann (Keramik) und Margaretha Reichardt (Textil) stehen noch bis zum 16. Juni 2019 im Mittelpunkt dieser Schau.

Für seine Schülerinnen repräsentierte das Staatliche Bauhaus eine entscheidende biografische Weichenstellung. Ungeachtet der schwierigen Stellung von Frauen am Bauhaus ging für sie der Eintritt in die in ihrer Zeit modernste künstlerische Ausbildungsstätte mit einem Bruch zahlreicher gesellschaftlicher Konventionen einher und war ein markantes Zeichen weiblicher Emanzipation. In dem Artikel „Mädchen wollen etwas lernen“ der Zeitschrift Die Woche (1930) wurde der selbstbewusste Typus des „Bauhausmädels“ attraktiv in Szene gesetzt.

Das Projekt im Angermuseum thematisiert das Bauhaus als Möglichkeitsraum für die künstlerische und persönliche Entfaltung der weiblichen Jugend. Doch verfolgten die „Bauhausmädels“ nach ihrem Ausscheiden aus dem Bauhaus recht unterschiedliche Karrierewege: Wege der Selbstbehauptung in der freiberuflichen Ausübung ihrer gestalterischen Tätigkeiten, aber auch solche, die nicht oder nur zum Teil an die im Bauhaus erlernten und eingeübten Konzepte selbstbestimmter, moderner, international vernetzter Kreativität anschlossen und genauso wenig automatisch von Erfolg gekrönt waren.

Die Ausstellung befragt die damalige Euphorie aus der sicheren Entfernung einiger Jahrzehnte und mit dem Wissen um die späteren Schicksale nicht nur der weiblichen Bauhausangehörigen. Exemplarisch nimmt sie die Lebenswege von Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Margarete Heymann und Margaretha Reichardt in den Blick.

Die Werke dieser Künstlerinnen repräsentieren zugleich die am Bauhaus wichtigen Gewerke Fotografie, Metall, Keramik und Textil, und jede ist in einer wichtigen Phase ihrer Biografie mit Thüringen verbunden: Gertrud Arndt verbrachte große Teile ihrer Jugend in Erfurt und lebte später mit ihrem Gatten Alfred Arndt, der wie sie am Bauhaus Dessau studiert hatte und ein Architekturbüro in Probstzella führte, am südlichen Rand des Thüringer Waldes. Im Bauhaus der Weberei zugeteilt, schlug ihr Herz für die Fotografie. Ihre Bilder gelten heute als „typisches Auge des Bauhauses“, wenngleich sie sich erst nach ihrer Hochzeit privat der Fotografie zuwandte.

Marianne Brandt trat schon in das Weimarer Bauhaus ein und fand später in den Gothaer Ruppelwerken ihre erste feste Stelle nach dem Ausscheiden aus dem Dessauer Bauhaus. Im Bauhaus Weimar war sie in den Metallwerken tätig und viele Designentwürfe dieser Zeit stammen von ihr. Brandt war eine hervorragende Fotografin. Besonders ihre Collagen sind heute noch bekannt.

Margarete Heymann gehörte 1920 zu den ersten jener selbstbewussten jungen Frauen, die sich um die Aufnahme an das Bauhaus in Weimar bewarben, und sorgte mit ihrem fulminanten Abgang aus der Keramikwerkstatt in Dornburg/Saale für einen Markstein des weiblichen Aufbruchs jener Tage.

Die gebürtige Erfurterin Margaretha Reichardt schließlich kehrte nach ihrem Studium am Dessauer Bauhaus 1933 in die Thüringer Metropole zurück, wo sie als selbstständige Gestalterin und Weberin eine Handwebereiwerkstatt aufbaute und über 50 Jahre hinweg erfolgreich betrieb. Das Haus, Werkstatt und Garten sind heute ein kulturhistorisches Denkmal in Erfurt.

Die Absolventinnen des Bauhauses nahmen unterschiedliche Karrierewege. In der Ausstellung wird deutlich, wie die vier ausgewählten Frauen am Bauhaus in Weimar und Dessau partizipierten und später das dort vermittelte Konzept der Verbindung von Handwerk, Kunst und Technik in ihre jeweils eigene Sprache als Gestalterinnen übersetzten. Die Biografien wurden getragen von der Vision, einen kreativen Beruf auszuüben, sich unabhängig und selbstständig zu machen. Nicht in jedem Fall wurde das Wirklichkeit.

Die Ausstellung im Erfurter Angermuseum präsentiert über 335 Objekte aus zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen und Archiven und vermittelt anschaulich die künstlerischen Wege der ausgewählten Gestalterinnen aus der Zeit am Bauhaus und danach.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint der Katalog 4 »Bauhausmädels«: Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Margarete Heymann, Margaretha Reichardt im Sandstein Verlag Dresden, herausgegeben von Patrick Rössler, Elizabeth Otto, Kai Uwe Schierz und Miriam Krautwurst, gebunden, 336 Seiten.
ISBN: 978-3954984596
Preis: 38,00 Euro

Besucherinformationen

Angermuseum Erfurt
Anger 18, D-99084 Erfurt

Ausstellungsdauer: bis 16. Juni 2019
Öffnungszeiten: Di bis So 10-18 Uhr 
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, am 1. Dienstag im Monat frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Angermuseum Erfurt.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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