Anja Niedringhaus. Bilderkriegerin

Zum 5. Todestag der Kriegsfotografin

Anja Niedringhaus bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Foto: © Jerry Lampen

Nahezu ein Vierteljahrhundert berichtet Anja Niedringhaus (1965–2014) von Kriegsschauplätzen in aller Welt wie vom Balkan, aus dem Irak und immer wieder Afghanistan. Als die Fotografin dort während eines Reportage-Einsatzes am 4. April 2014 im Alter von 48 Jahren von einem Attentäter erschossen wird, hinterlässt sie ein beeindruckendes Oeuvre.

Anlässlich ihres 5. Todestages ehrt das Käthe Kollwitz Museum Köln die Fotografin und Pulitzer-Preisträgerin noch bis zum 30. Juni 2019 mit einer groß angelegten Einzelausstellung.

Sterbender bosnischer Soldat, Sarajevo, Bosnien, 21. November 1994 © Anja Niedringhaus/EPA. Eine Passantin leistet gemeinsam mit einem französischen UN-Soldaten Erste Hilfe, nachdem ein bosnischer Soldat auf offener Straße in Sarajevo angeschossen wurde. Er starb Minuten später.

Diese erste posthume Retrospektive präsentiert mit über 80 großformatigen Aufnahmen ein Werk, das die ›Bilderkriegerin‹ bereits zu Lebzeiten zur Ikone werden ließ. Im Auftrag von Nachrichtenagenturen wie der amerikanischen Associated Press (AP) entstanden legendäre Aufnahmen, die die weltweit wichtigsten Magazine und Zeitungen auf ihren Titelseiten druckten und die so im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Der umfangreiche Nachlass umfasst Bilder aus Kriegs- und Krisenregionen ebenso wie brillante Porträtaufnahmen und Sportfotografien, die in Köln erstmals durchgängig in Farbe ausgestellt werden.

Usain Bolt, Olympische Sommerspiele, London, 5. August 2012 © Anja Niedringhaus/AP. Porträt des jamaikanischen Sprinters Usain Bolt im Olympiastadion, London.

Fotografien, die zum Frieden mahnen

Obgleich Anja Niedringhaus lange Jahre über zahlreiche Kriegsschauplätze berichtet, lehnt sie den Begriff ›Kriegsfotografin‹ für sich ab. Ihre Aufnahmen, die oft unter Lebensgefahr an vorderster Front entstehen, reichen weit über eine reine Dokumentation von Ereignissen hinaus – ihre Arbeiten sind Aufrufe zum Frieden. Sie wollen aufrütteln und mahnen, indem sie uns die Schrecken des Krieges vor Augen führen. Ihre Werke vereinen häufig starke Gegensätze: Sie zeigen einen Moment der Ruhe inmitten des völligen Chaos und tiefe Menschlichkeit inmitten von brutaler Barbarei.

Afghanische Frauen, fotografiert durch den Augenschlitz einer Burka, Kabul, Afghanistan, 11. April 2013 © Anja Niedringhaus/AP

Die Tiefe ihres Werkes beeindruckt Menschen über Kulturkreise hinweg. Die Ermordung der Fotografin vor fünf Jahren rief ein weltweites Medienecho hervor. Von der New York Times bis hin zu russischen, griechischen und arabischen Medien war der Vorfall auf den Titelseiten zu lesen, Regierungen und Prominente aus aller Welt kondolierten. Unter ihren Kolleginnen gilt Anja Niedringhaus als Wegbereiterin in einem Beruf, in dem bis heute der Frauenanteil verschwindend gering ist. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2005 den ersten Pulitzer-Preis für eine deutsche Fotografin.

Die Ausstellung wird von Sonya Winterberg kuratiert, die Anja Niedringhaus persönlich kannte. Darüber hinaus bereitet sie in Kooperation mit Ziegler Film und im Auftrag des ZDFs eine Verfilmung des Lebens der Fotografin sowie eine Biografie mit ausführlichem Werkverzeichnis vor.

UN-Soldaten unter Beschuss, Sarajevo, Bosnien, 20. Juli 1994 © Anja Niedringhaus/EPA Französische und ukrainische UN-Soldaten flüchten, als serbische Scharfschützen das Feuer auf sie in der Innenstadt Sarajevos eröffnen.

Rahmenprogramm

Ein umfangreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm begleitet die Schau, u.a. mit (Kuratoren-)Führungen, Lesung, Talk im Forum mit Christoph Bangert (Fotojournalist) und Lars Boering (World Press Photo).

Zum 5. Todestag von Anja Niedringhaus am Donnerstag, den 4. April 2019 berichten Sonya & Yury Winterberg ab 18.30 Uhr in einem Werkstattgespräch von ihrer Arbeit an Biografie und Werkkatalog. Eintritt:7,50 € / ermäßigt 4,50 €

Alle weiteren Termine sind in der Veranstaltungsübersicht des Museums aufgelistet.

US-Marine mit Maskottchen ›GI Joe‹, Falludscha, Irak, November 2004 © Anja Niedringhaus/AP. Ein junger US-Marine stößt mit seiner Einheit in den westlichen Teil der Stadt vor. Die Aufnahme ist Teil der Serie von Fotografien über die blutigen Kämpfe in den irakischen Städten, für die Anja Niedringhaus 2005 mit dem Pulitzer-Preis für Aktuelle Fotoberichterstattung ausgezeichnet wurde. (Gemeinsam mit ihren Associated-Press-Kollegen Brennan Linsley, Jim MacMillan, Khalid Mohammed, Muhammed Muheisen und Murad Sezer.)

Publikation

Der Katalog zur Ausstellung erschien am 1. März 2019 im Wienand Verlag, Köln:
Hannelore Fischer (Hrsg.) Anja Niedringhaus – Bilderkriegerin. Mit Beiträgen v. Sonya und Yury Winterberg, Minka Nijhues, Michael Kamber u. a. 128 Seiten, ca. 90 farbige Abbildungen, 27 x 22 cm, Klappenbroschur, deutsch / englisch
ISBN: 978-3868325140
Preis: Museumsausgabe 22 € | im Buchhandel 29,80 €

Besucherinformationen

Käthe Kollwitz Museum Köln
Neumarkt 18–24 / Neumarkt Passage, D-50667 Köln
Tel +49 (0)221 227-2899

Ausstellungsdauer: bis 30. Juni 2019 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 10-18 Uhr, Sa/So/Feiertage 11-18 Uhr
Eintritt: € 5,00, ermäßigt € 2,00

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Käthe Kollwitz Museum Köln.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Anja Niedringhaus. Bilderkriegerin: Katalog zur Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum, Köln 2019 (Taschenbuch)


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Dieser Titel wird freigegeben auf August 1, 2019.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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