Andreas Mühe. Mischpoche

Über Familienbilder

Andreas Mühe. Vater I, 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin zeigt bis zum 11. August 2019 eine faszinierende Fotoausstellung von Andreas Mühe.

Andreas Mühe wurde international bekannt durch seine Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und Identität. Seinen Fotografien, die er ausschließlich analog herstellt, wohnt  oftmals eine Ambivalenz, fast düstere Andeutung, inne. Sie verweist auf die nicht mehr sichtbaren, aber noch immer spürbaren Folgen der deutschen Geschichtsschreibung.

Die sorgsam konzipierten Bildkompositionen suggerieren dabei eine gewisse Verwandtschaft zu Theater und Inszenierung. Die Nähe zu Schauspiel, Bühne und Film erschließt sich unter anderem aus Mühes persönlicher Biografie. Sein Vater war der bekannte Schauspieler Ulrich Mühe, seine Mutter ist die renommierte Theaterintendantin Annegret Hahn. Diese beiden Persönlichkeiten, Mühes engste familiäre Bande, gemeinsam mit weiteren Verwandtschaftsmitgliedern, bilden die Protagonisten seiner neuen Werkserie.

In zwei großformatigen fotografischen Familienportraits vereint Mühe die lebenden wie verstorbenen Mitglieder seiner Familie, mütterlicher- und väterlicherseits. Die bereits verstorbenen Personen ließ er, von Fotovorlagen ausgehend, in einem komplexen und intensiven Produktionsprozess als verblüffend lebensecht anmutende Skulpturen nachbilden.

Es offenbart sich hierbei eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den innerfamiliären Geflechten der Familie Mühe. Berufsbedingt führten die Familienmitglieder teilweise auch ein Leben in der Öffentlichkeit. Der psychologische, sozial geladene Aspekt des Familienbildes steht gleichzeitig einer kunsttheoretischen Abhandlung gegenüber.

Im künstlerischen Prozess von Andreas Mühe von Fotografie als Ausgangsmaterial über plastische Nachbildungen in Form von Skulpturen bis hin zu einer choreografierten Gruppierung steht am Ende ein fotografisches Familienportrait. Dieser Ablauf macht die ambivalente Bedeutung von Fotografie zwischen Wahrheit und Konstruktion überdeutlich. Persönliche Geschichte, soziale und gesellschaftliche Verhältnisse sowie künstlerische Tradition vereinen sich zum Portrait einer Familie, dem Zeit- wie Kunstgeschichte tief eingeschrieben sind.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in deutscher und englischer Sprache.

Besucherinformationen

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Invalidenstraße 50-51, D-10557 Berlin

Ausstellungsdauer: 11. August 2019
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 10-18 Uhr | Do 10-20 Uhr | Sa, So 11-18 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 7 Euro, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Andreas Mühe: Pathos als Distanz (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen