SEEN BY #12 in Berlin

When you’re on the net, are you lost? Or found?

And the rest of us—lost or found—are we on it, or in it?

SEEN BY #12 ist der zwölfte Teil der Ausstellungskooperation zwischen der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin und der Universität der Künste Berlin. Die Fotoausstellung ist noch bis zum 2. Juni 2019 im Museum für Fotografie Berlin zu sehen. Sie hat zum Ziel, kuratorische und künstlerische Strategien im Umgang mit zeitgenössischer Fotografie neu zu denken.

Der etwas sperrige Untertitel der Ausstellung bezieht sich auf die Möglichkeiten und Gefahren, die digitale Archive bieten.

Für seine Arbeit Dear Bill Gates (1999) dokumentierte der Künstler Allan Sekula, wie er so nah wie möglich an das Uferanwesen des Microsoft-Gründers und damaligen Eigentümers der Bildagentur Corbis heranschwamm. In einem offenen Brief kommentierte Sekula darauf Gates’ 30-Millionen-Dollar-Kauf eines Gemäldes von Winslow Homer. Lost on the Grand Banks (1885) zeigt zwei dem Tod geweihte Fischer im Meer. Das Bild hing zwar im Privathaus des Milliardärs, war aber nicht im Netz aufzufinden.

Bill Gates wurde so als Vorreiter des neuen Paradigmas des globalen Archivars entlarvt, der die Bildströme durch digitale Reproduktion zu steuern suchte. Entgegen dem Versprechen des Internets – „the archive of everything for everybody” – zwängte er den Bildverkehr in ein Lizenzkorsett und erklärte diesen zum Privateigentum.

Ausgehend von Sekulas Brief widmet sich die SEEN BY #12 den ambivalenten Dynamiken, die dem postfotografischen Bildreservoir und dem Wandel von der Speicher- zur Übertragungskultur zugrunde liegen. Dieses digitale Archiv eröffnet die Möglichkeit des kontinuierlichen Einschlusses von Angeeignetem und Abgelegtem. Es schafft alternative Kreisläufe und entzieht sich den Ordnungen der kommerziellen oder institutionellen Indienstnahme. Gleichzeitig birgt es die Fähigkeit, im Akt des Bewahrens und Exponierens Bildmaterial auch außer Sichtweite zu halten und Unerwünschtes in Vergessenheit zu bringen.

Die Künstler gehen in ihren Arbeiten dem konstituierenden Gefüge von Bedeutung, Instrumentalität und Performativität des ausgestellten Bildes nach, das, getragen von Diskurs und Ideologie, zwischen Subjektivität und Objektivität existiert. Bei vielen der präsentierten Arbeiten rückt weniger das Bildzeichen als der Akt des Schauens in den Vordergrund. Die Vorstellung, Realität als Bild repräsentieren und bewahren zu können, wird hierbei entkräftigt, um das Wahrnehmbare, Denkbare und Machbare zu hinterfragen. So erfordert die Interpretation von Bildern nach Ariella Azoulay „multiple Kollaborationen, wobei jedes der eigenen Bilder eines Tages meist durch den Blick anderer als das fehlende Bild erscheinen kann”.

Mit Arbeiten von

Erfan Aboutalebi, Pegah Keshmirshekan, Maximilian Klawitter, Daria Kozlova, Timon & Melchior Grau, Vanda Skacalova. Die Ausstellung wird kuratiert von Elisa R. Linn.

Besucherinformationen

Museum für Fotografie
Jebensstrasse 2, D - 10623 Berlin
Tel: +49  (0)30 266 42 42 42

Ausstellungsdauer: bis 2. Juni 2019
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 11–19 Uhr, Do 11–20 Uhr
Eintritt: 10 €, ermäßigt 5 €, Mitglieder und Studierende der Universität der Künste Berlin frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von: Museum für Fotografie.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen