Photoszene: Fiona Tan. GAAF

Über das Agfacolor Werbearchiv

Agfa Werbeaufnahme, 1950/60er Jahre. Archiv Museum Ludwig

International agierende Künstler entdecken Kölner Archive – das ist die Idee des Residency-Programms Artist Meets Archive der Internationalen Photoszene Köln im Rahmen ihres Festivals 2019. Als Kooperationspartner luden sechs Institutionen je einen Künstler ein, aus der Sammlung heraus ein Projekt zu entwickeln.

Das Museum Ludwig in Köln hat die Künstlerin und Filmemacherin Fiona Tan (*1966 in Pekanbaru/ Indonesien, lebt in Amsterdam) gebeten, eine Ausstellung auf der Grundlage der Sammlung Fotografie des Museums zu entwickeln. Fiona Tans Werk kreist um Fragen von Zeit, Identität und Erinnerung. Das Archiv als Zeitkapsel hat bereits in vergangenen Projekten eine Rolle in ihrer künstlerischen Strategie der Recherche und Klassifikation gespielt.

Ausgangspunkt der Ausstellung Fiona Tan. GAAF ist das Agfacolor Werbearchiv – mehrere tausend 6×6-Farbnegative und Fotografien, aufgenommen zwischen 1952 und 1968. Dieses Archiv bildete für das Unternehmen Agfa einen Fundus für Werbeschriften, Broschüren, Ausstellungen und die Zeitschrift Agfa Photoblätter. Die Fotoausstellung ist bis zum 11. August 2019 zu sehen.

Agfa Werbeaufnahme, 1950/60er Jahre. Archiv Museum Ludwig

Als Tan das nahezu vergessene und seit vierzig Jahren in Kisten verpackt im Depot schlummernde Archiv im Museum Ludwig entdeckte, wuchs ihr Interesse für das Paradox, das in diesen Bildern liegt: Man sieht inszenierte und idealisierte Models, die für Profifotografen posieren, Szenen, die jedoch spontan und authentisch wirken sollen, als seien sie von Amateuren aufgenommen. „Diese Aufnahmen lassen mich über Pose, über Künstlichkeit versus Spontaneität und Authentizität nachdenken“, sagt Fiona Tan. Die Künstlerin holt diese Bilder erstmals in einen Ausstellungsraum.

Agfa Werbeaufnahme, 1950/60er Jahre. Archiv Museum Ludwig

Das niederländische Wort „gaaf“ – ein Anagramm, also eine Neuordnung der Buchstaben von Agfa – bedeutet „astrein“ oder „makellos“. Fiona Tan konzentriert sich in ihrer Auswahl auf das Bild und die Rolle der Frauen, wie sie in diesen Aufnahmen dargestellt sind. Sie macht dabei auf den Kontrast zwischen Ideal und Wirklichkeit aufmerksam, der Wirklichkeit der Wiederaufbaujahre im Nachkriegsdeutschland.

Agfa Werbeaufnahme, 1950/60er Jahre. Archiv Museum Ludwig

Indem sie Fantasie und Realität, Berufs- und Schnappschussfotografie, Farbe und Schwarzweiß einander gegenüberstellt, konfrontiert Tan dieses Werbearchiv mit dokumentarischen Aufnahmen desselben Zeitraums aus der Sammlung des Museum Ludwig – u. a. von Chargesheimer und Heinz Held – sowie mit einer Auswahl ihrer eigenen Werke zum Thema Porträt.

Tans Arbeit Vox Populi London (2012) präsentiert den informellen Schnappschuss, ein spielerisches Gruppenporträt einer Metropole, während Tan in Linnaeus’ Flower Clock (1998) über das Wesen der Zeit reflektiert. Die sechsteilige Installation Provenance (2008) stellt die Frage, ob es möglich ist, einen Film in derselben Weise zu betrachten wie ein gemaltes Porträt, wobei sie die Grenze zwischen Bewegung und Ruhe, Fotografie und Film absichtlich aufhebt.

Fiona Tan Vox Populi London, 2012 © Fiona Tan, courtesy the artist, Frith Street Gallery, London and Peter Freeman Inc., New York

Direktor Yilmaz Dziewior: „Ich freue mich sehr, dass Fiona Tan mit ihrem künstlerischen Blick eine ganz neue Perspektive auf die Fotosammlung des Museum Ludwig eröffnet. Denn für unsere Institution ist die permanente Sammlung von zentraler Bedeutung und es ist besonders aufschlussreich wie Künstler*innen sich diesem Fundus annähern. “

Publikation

Die Ausstellung wird begleitet von einem Künstlerbuch mit einem Essay der Künstlerin sowie einem von Fiona Tan kuratierten Filmprogramm und Vorträgen.

Fiona Tan. GAAF. Deutsch/Englisch, mit einem Vorwort von Yilmaz Dziewior und einem Essay von Fiona Tan, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 80 Seiten, 145 Farbabbildungen.
Preis: 16,80 EUR (Buchhandelspreis), 14 EUR (Museumspreis)

Fiona Tan, Vox Populi London, 2012 © Fiona Tan, courtesy the artist, Frith Street Gallery, London and Peter Freeman Inc., New York

Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch den Mondriaan Fund und das Königreich der Niederlande sowie Russmedia.

Ausstellungskuratorin: Fiona Tan
Kuratorin Sammlung Fotografie: Miriam Szwast (ehemals Halwani)

Mehr Informationen zu den Ausstellungen und dem Programm des Photoszene-Festivals gibt es hier.

Besucherinformationen

Museum Ludwig
Hein­rich-Böll-Platz, D-50667 Köln
Tel +49 (0)221 221 26165

Ausstellungsdauer: bis 11. August 2019
Öffnungszeiten: Di bis So 10-18 Uhr, jeden 1. Do im Monat 10-22 Uhr
Eintritt: 11 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Museum Ludwig.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen